Samstag, November 25, 2006

The real Guitar Hero

Plug and Rock



Von Hause aus bin ich ein Spielkind. Und alles, was mit Musik, PC, Heimkino etc. zu tun hat, übt auf mich eine magische Anziehungskraft aus. Übrigens sehr zum Leidwesen meiner Frau, hingegen zur Freude meines Sohnes :-)


Da habe ich doch in der c't 18/2006 einen Artikel über eine E-Gitarre mit dem Namen iAXE393 gelesen. Warum es die Gitarre in die c't schaffte? Ganz einfach: Die Gitarre von Behringer (http://www.behringer.com/IAXE393/index.cfm?lang=ger ) besitzt einen USB-Anschluss! Somit kann das Teil problemlos mit dem PC oder Notebook verkabelt werden. Und wenn ich hier "problemlos" schreibe, dann ist das auch so. Ich habe mir das Teil natürlich sofort bestellt. Klar. Ausgepackt, angeschlossen, Treiber und entsprechende Software installiert - fertig. Das war's. Funktioniert prima, hat einen mächtigen Spassfaktor - für mich jedenfalls. Der Autor von der c't hat das Ganze natürlich wieder sehr technisch abgehandelt, ziemlich emotionslos. Aber Leute, wir reden hier von einer Gitarre, wir reden von Musik machen, wir reden von Distortion, von rocken mit einer Gitarre. Da muss schon ein bischen mehr rüberkommen als: "Mit der iAxe 393 hat Behringer ein attraktives Instrument im Programm, das Einsteigern sowohl Live-Spiel als auch rechnergestütztes Recording ermöglicht. Die USB-Anbindung arbeitet erfreulich unkompliziert, die Qualität reicht für Demo-CDs aus. Erscheinungsbild und Sound sind wie bei jeder Gitarre Geschmackssache." Hallo? Da hat der Diplom-Ingenieur sich ein elektronisches Musikinstrument angesehen. Normalerweise schreibt der Gute sehr wahrscheinlich über Widerstände, Schalttafeln etc. Da bleibt dann die Emotion natürlich ein wenig auf der Strecke :-)



Zunächst zum Preis: Behringer gibt eine unverbindliche Preisempfehlung von 138 Euro an. Momentan beträgt der Marktpreis 119 Euro, was für mich ein faires Preis-Leistungsverhältnis darstellt. Die Gitarre ist der Fender Stratocaster nachempfunden. Bei diesem Preis sollte jeder Abstriche in Sachen Qualität machen. Aber darauf kommt es hier nicht an. Denn: Wer Musik semi- oder vollprofessionell betreibt, der hat ganz andere Kaliber an Musikinstrumenten im Zimmer stehen als das, worüber wir hier gerade reden. Der Gelegenheitsspieler - so wie ich - hat seinen Spass - garantiert. Dann legen wir mal los mit unserer ersten Session.



Die erste Session


Nachdem ich also die iAxe 393 per USB-Kabel an den Rechner angeschlossen und jegliche Software/Treiber installiert hatte, konnte ich loslegen - fast. Kennt ihr das Gefühl? Ihr seid gespannt wie ein Flitzebogen, weil ihr euer neues Spielzeug ausprobieren wollt und stellt fest, es fehlt irgendwas. Richtig: Der Tonausgang (Kopfhörer) der Gitarre ist nämlich eine 6,3-mm-Klinke (s. kleine Abbildung oben). Schade, denn ich will in meine Stereoanlage. Und das Verbindungskabel zur Stereoanlage hat einen 3,5-mm-Klinkenstecker auf Cinch. Folglich brauchte ich einen Adapter für die Buchse in der Gitarre. Ich hatte Glück und wurde in einer Schublade, wo ich so ein Verbindungsstück vermutete, wirklich fündig! Also: Gitarre per USB-Kabel mit dem PC verbunden, Adapter in die Klinkenbuchse, Verbindungskabel zur Stereoanlage rein und in die besagte Anlage. Dann einen Software-Gitarrenamp von Native Instruments (liegt auf der mitgelieferten CD bei, vorher installieren!) angeschmissen und man rockt das Haus. Erstmal die voreingestellten Sounds der installierten Kombos (3 an der Zahl) checken. Denn: Nach 30 Tagen müsst ihr euch entscheiden, welchen Amp ihr freischalten lassen möchtet. Die Amps kosten pro Stück 15 Euro und können auf der Native-Instruments-Webseite direkt online bezogen werden. Auf der CD ist ein Gutscheincode drauf, den ihr für einen Amp eurer Wahl nutzen könnt, um ihn freischalten zu lassen, ohne 15 Euro zu berappen. Als alter Heavy-Barde kam mir der Combo III sehr entgegen. Die hier voreingestellten, zum Teil sehr fetten Hardrock-Sounds machen Spass. Behringer liefert auf der CD neben dieser drei Combos noch die Freeware "Audacity" mit sowie die Sequenzer-Software "KRISTAL Audio Engine", die für den Privatgebrauch ebenfalls kostenfrei ist. Bei den Combos gibt es ein Schmankerl, das sehr nützlich ist und Megalaune bringt: Es ist ein Software-Tape-Deck integriert. Hier kannst Du Deinen Lieblingssong als MP3 oder OGG "einlegen" und mit der Gitarre sofort begleiten bzw. ein Solo drüber spielen. Das fetzt! Meine eigene Interpretation von Pink Floyds "Money" nahmen meine Freunde allerdings mit gemischten Gefühlen auf ...



Arbeiten mit Audacity


Audacity ist cool. Die Software ist ein Mehrspur-Audio-Editor für Linux, Mac und Windows. Das Beste: Er ist Freeware, kostet euch keinen Cent. Was das Teil kann, erfahrt ihr auf der hauseigenen Webseite. Hier nur soviel:


Audacity kann Liveaufnahmen von einem Mikrofon oder einem Mischpult, Kassetten, Vinylplatten oder Minidisks machen. Einige Soundkarten ermöglichen es sogar, Aufnahmen von Audiostreams (aus dem Internet) durchzuführen.


Wie schaffst Du es nun, den Sound der Gitarre in Audacity aufzunehmen? Ganz simpel: Die gehst mit einem Stereoverbindungskabel 3,5-mm-Klinke auf 3,5-mm-Klinke in den Line-In- oder Mikrofoneingang Deines PC oder Notebooks. Dann stellst Du diesen Eingang in Audacity ein. Fertig. Und so kannst Du Spur für Spur aufnehmen. Du kannst in Audacity einstellen, dass bei einer zweiten Spuraufnahme die erste Spur mit abgespielt wird. So spielst Du zunächst die Rhythmus-Section ein, danach die Soli etc. Und schon ist ein Song fertig. Du kannst ihn als MP3 ausgeben, musst aber dafür die lame_dll einbinden. Diese DLL liefert der CD-Ripper CDex mit. Googlen hilft hier auch weiter.


Das OGG-Format beherrscht Audacity von Hause aus, ohne dass irgendwelche Plug-Ins oder DLLs zusätzlich eingebunden werden müssen.



Fazit


Alles in allem liefert Behringer solide Arbeit ab. Dass bei diesem Preis irgendwo gespart werden musste, liegt auf der Hand. Klar, wenn ich den Jammerhaken (Vintage-Vibrato) nutze, verstimmt sich die Klampfe recht schnell, und ich muss nachstimmen. Also lasse ich das. Klar ist auch, dass eine Ibanez, Gibson, ESP, Jackson etc. mit einem Floyd-Rose-Tremolo diese Probleme nicht hat. Kosten aber auch ein paar Scheinchen mehr, diese Gitarren. Die iAxe 393 tut genau das, was sie soll: Sie bringt Spass, man kann prima damit üben (auch in Mietwohnungen!), kann mehr oder weniger recht einfach einen Song aufnehmen oder eben Songs von Lieblingskünstlern begleiten. Als ich angefangen habe, E-Gitarre zu spielen, musste noch ein herkömmlicher Verstärker her, ein 4-Spur-Aufnahmetape ebenfalls. Über die Kosten breite ich hier lieber den Mantel des Schweigens und auch darüber, was ich von meinen Eltern damals zu hören bekam. Also: Keep on rockin', keep it heavy, keep it hard!

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