Ich kann die Finger nicht von Linux lassen. Und ich kann es schon gar nicht lassen, jedes neue System, was da gerade auf den Markt kommt, auszuprobieren. In diesem Fall habe ich mich SuSE 11.1 mit dem neuen KDE 4.3 gewidmet. Die letzte Begegnung mit SuSE hatte ich in der Version 10 (s. auch meinen Blogeintrag vom Nevember 2005). Da sind dann doch einige Jahre ins Land gezogen. Wer eine halbwegs schnelle DSL-Verbindung hat, dem sollte die SuSE 11.1 KDE 4.3 Live-CD für die Installation reichen. Hier bekommt ihr sie als ISO-Download: http://home.kde.org/~binner/kde-four-live/KDE-Four-Live.i686-1.3.0.iso. Wenn die Datei auf eurem Ich-habe-nur-Windows-drauf-Rechner heruntergeladen ist, müsst ihr diese ISO-Datei noch auf eine CD-Brennen.Das beherrscht eigentlich j
ede halbwegs vernünftige Brennsoftware. Und ganz nebenbei: Es muss keinesfalls immer Nero sein. Ein CDBurnerXP erledigt die Nummer auch im Schlaf und ist um einiges schlanker als Nero. Guckst Du hier!Ist dann die CD erstellt, so legt sie in euer CD/DVD-Laufwerk, beendet Windows und startet den Rechner neu. Natürlich müsst ihr die Bootreihenfolge eures Rechners so eingestellt haben, dass er von dem CD/DVD-Laufwerk als erstes hochfährt! Das ist ganz wichtig und die Grundvoraussetzung für das Abenteuer SuSE 11.1 KDE 4.3.
Ich mache jetzt einen Riesensprung und gehe davon aus, dass ihr die Live-CD starten konntet, der SuSE-KDE-4.3-Desktop hochfuhr und ihr aus dieser Live-Umgebung heraus SuSE 11.1 mit KDE 4.3 auf eurem Rechner installieren konntet. Falls ihr da noch Fragen habt, schaut mal bei openSuSE vorbei. Und natürlich müsst ihr auch Platz auf eurer Platte für SuSE schaffen. Wie das gemacht wird, möchte ich hier auch nicht weiter ausführen - würde ebenfalls den Rahmen sprengen. Bei openSuSE gibt es eine Installationsdokumentation. Wie man Platz auf einer Festplatte für openSuSE schafft, verrät euch beispielsweise dieser Artikel. Es dreht sich hier zwar um die Version 10.3, aber das Prinzip hat sich nicht geändert.Nach diesem kurzen Exkurs nun weiter mit openSuSE 11.1 in Verbindung mit KDE 4.3: Ihr werdet feststellen, dass KDE 4.3 den "Factory"-Status besitzt. Das heißt: Das Team hat KDE 4.3 noch nicht als stabile Version ("stable") freigegeben und arbeitet teilweise mit Betaversionen und Release-Kandidaten. Das Team selbst schreibt dazu:
"Das Build Service-Projekt KDE:KDE4:Factory:Desktop bietet Entwicklungspakete von KDE 4.3 an, wie sie zur Zeit auch für openSUSE 11.2 in der Entwicklung sind. Dies sind Betas und Veröffentlichungskandidaten (RCs) des KDE-Projekts, die mit openSUSE-Patches angereichert wurden. Sie sollten größtenteils nutzbar sein, könnten aber Fehler enthalten. Rückmeldungen sind sehr willkommen. Vor allem das Testen auf Regressionen im Vergleich zum STABLE-Depot wird empfohlen.
Um das Risiko zu minimieren, sollten Sie diese Pakte nicht ständig nach jedem Neubau aktualisieren, sondern nur dann, wenn Sie ein Problem haben, von dem bekannt ist, dass es in einer aktuelleren Bauversion behoben ist."
Das hat mich aber nicht davon abgehalten, das Paket zu installieren ;-) Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.Nach der Installation der Live-CD erscheint der mittlerweile gewohnte im openSuSE-grün gehaltene Desktop. Bei mir allerdings in der bescheidenen Auflösung von 1024x768 Bildpunkten. Da hat openSuSE wohl meine Grafikkarte erkannt ;-). Klar, weil openSuSE zunächst alle proprietären Treiber, Codecs etc. aus der Version heraushält. Somit fallen auch Grafiktreiber der zwei größten und bekanntesten Herstellers darunter: Nvidia und AMD/ATI. Ich habe in meinem Rechner eine Nvidia-Grafikkarte stecken. Um nun in den Genuss einer besseren Bildschirmauflösung und vor allem der 3D-Fähigkeit zu kommen, musste ich einen passenden Treiber nachrüsten. Dafür bindet man am besten in das openSuSE-eigene Installations- und Systemverwaltungswerkzeug "YaST" das entsprechende Repository ein. Eine Auflistung aller wichtigen Repositories findet ihr hier. Speziell für Nvidia-Grafikkarten nutzt ihr dieses Repository. Wer eine AMD/ATI-Karte nutzt, muss dieses Repository einbauen.
Auf youtube.com zeugen einige Filmchen von der Compizpower wie dieser hier:
My cool KDE 4.1 Compiz Desktop
Desktop-Puristen halten das Ganze eher für sinnlosen Schnickschnack. Doch es verhält sich wie mit der Fernsehsendung im Fernsehen: bei Nichtgefallen einfach nur den Aus-Knopf drücken. Funktioniert mit Compiz genau so.
Ansonsten macht der Desktop einen ordentlichen Eindruck. Mit der Version 4.3 soll nun endlich eine Version Einzug gehalten haben, die für den unbedarften Nutzer wirklich Desktop-tauglich sei, so die KDE-Entwickler: "With the 4.2 release aimed at the majority of end users, KDE 4.3 offers a more stable and complete product for the home and small office."
Zu Deutsch: Mit dem 4.2-Release zielte KDE weitestgehend auf den Endbenutzer. KDE 4.3 ist nun stabiler und erscheint als komplettes Produkt für das Büro Zuhause.
In der Tat geht die tägliche Arbeit gut von der Hand. Dank der mittlerweile reichlich vorhandenen Software aus den bereichen Multimedia, Office, Internet etc. bleibt kein Tätigkeitsfeld brach liegen. Highlights wie der Musikmanager Amarok, mittlerweile in der Version 2 erhältlich, lassen einen Windows Media Player eher blass aussehen.

Über ein OpenOffice brauche ich wohl nicht weiter auszuholen. Das Büropaket liegt aktuell in der Version 3.1 vor und hält locker mit im Vergleich zu einem Microsoft Office:
Was das 4.3-System angeht, so sind die Factory-Repositries nicht immer erreichbar, was darin resultiert, dass einem zwar die Updates auf dem Desktop angezeigt werden. Wenn man sie aber installieren möchte, erhält man Fehlermeldungen in YaST. Das ist nicht weiter tragisch und wird mit Sicherheit in kürzerer Zeit behoben sein. Es beeinträchtigt auf keinen Fall die tägliche Arbeit unter KDE 4.3 für openSuSE.
Fazit: Diese Linuxversion und auch andere wie Ubuntu/Kubuntu 9.04, Fedora 11 etc. haben mittlerweile einen Reifegrad erlangt, der einem Windows-Vista- oder gar Windows-7-System in nichts nachsteht. Sollte man partout nicht auf sein Windows verzichten wollen, so bietet sich eventuell die Desktop-Virtualisierungsvariante via VMWare oder XEN (openSuSE-Projekt) an. Du kannst Windows XP oder Vista auf dem Linuxdesktop in einem virtuellen PC laufen lassen mit der kompletten Funktionalität. Du brauchst also keine aufwändigen Dual-Boot-Szenarien zu fahren oder Deine Festplatte neu aufzuteilen. Lasse Windows in einer virtuellen Umgebung laufen.
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